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Newsletter vom 1. Juli 2019: Via Glacier National Park nach Alberta

Liebe Familie und Freunde

Seit die Fastfood-Kette "McDonalds" Europa eroberte, kennen wir das Konzept des Drive-Thru: Bestellung aufgeben, um die Ecke fahren, Bestellung in Empfang nehmen - alles ohne den Hintern vom Autositz zu erheben. Wenn es darum geht, möglichst keinen Schritt zu machen, ist der Erfindungsgeist der Amis unschlagbar. Apotheken, Banken, Bibliotheken, Kaffees, Bottleshops und natürlich alle möglichen Fastfood-Ketten - alle haben auch eine Drive-Thru Möglichkeit. Die neueste Erfindung: ein Drive-Thru Convenience Store, also ein Lebensmittelladen mit Schwerpunkt auf Fertigmahlzeiten, durch den mittendurch die Autos fahren können.
Amerika hat uns wieder! Aber immer schön der Reihe nach...

Und wiedermal standen wir nachts um Zwei Uhr MEZ vor einem Gepäckband. Wir waren kurz vorm Verzweifeln, als endlich unsere drei Koffer als Letzte ausgespuckt werden.
Da wir dieses Mal unsere Lebensmittel (die überlebenswichtige Thomy Mayonnaise, den Thomy Senf und sonst noch ein paar Dinge) korrekt deklarierten - wohl weil wir zu viel "Border Control" im Fernsehen angeschaut hatten - mussten wir selbstverschuldet den Gang durch die Agrikultur-Kontrolle antreten. Was wir hier lernten: Gemüsebouillon OK, Hühnerbouillon NICHT OK. Unsere zu Hause vorbereitete Liste aller Lebensmittel hat dann wohl so sehr beeindruckt, dass wir keinen einzigen Koffer öffnen mussten und mit der Bemerkung "Na, da habt ihr die Einkäufe ja schon fast erledigt" freundlich in die Freiheit entlassen wurden.

Die notwendigen Unterhalts- und Reparaturarbeiten an unserem Truck-Camper dauerten dann leider länger als vorgesehen.
So wurde es Dienstag in der Folgewoche, als wir Portland endlich verlassen konnten. Und schon ein paar Hundert Meilen später in Spokane mussten wir die frisch eingebaute Pumpe für die Servolenkung wieder ausbauen und ersetzen lassen (und natürlich wieder einen Tag auf das Teil warten und einen Tag in der Werkstatt totschlagen). Immerhin alles unter Garantie. Auf jeden Fall verbrachten wir schon fast zehn Tage in den Vereinigten Staaten, bevor wir endlich wieder richtig On The Road waren.

Nachdem wir in Vancouver (nördlich von Portland) ein paar Tage im Hotel verbringen mussten und sich - nebst Fastfood-Ketten wie Jack in the Box, Subway, Burgerville und McDonalds - nur ein einziges Roadhouse in Gehdistanz befand (eines der Art, in dem der Schallpegel alle Rekorde bricht, Fleisch die Karte dominiert und der Boden mit einer zentimeterdicken Schicht Erdnussschalen bedeckt ist), freuten wir uns vor allem auf unsere eigene Küche! Und damit wir nicht schon in den ersten Tagen Brot backen müssen, hatten wir schon zu Hause die Adressen von europäischen Bäckereien in Portland notiert. Der Umweg in die Stadt lohnte sich und wir konnten unseren Tiefkühler mit herrlich knusprigen Brot füllen. In dieser Beziehung tut sich was in Amerika!

Die erste Etappe führte uns auf der nördlichen Seite des Columbia Rivers via Spokane zu unserem ersten Ziel - dem Glacier National Park. Es ist unser dritter Anlauf in diesen Park zu kommen. 2017 war die "Going-to-the-Sun" Road wegen Waldbränden gesperrt. 2018 musste man wegen Waldbränden sogar Camper evakuieren. Doch dieses Jahr stand einem Besuch theoretisch nichts mehr im Weg. Praktisch war es allerdings so, dass vor uns die wichtigsten Feiertage Kanadas (1. Juli) und der USA (4. Juli) lagen, jeweils die ganze Nation frei hatte und es darum in den Parks sehr voll war. Sicherlich die schlechteste Zeit, um den Glacier Nationalpark zu besuchen und sicher auch sehr schwierig, irgendwo einen Übernachtungsplatz zu finden.
Das Dümmste für uns aber war, dass die Going-to-the-Sun Road für Fahrzeuge über 21' Länge und 10' Höhe gesperrt ist und wir das erst am Abend vorher bemerkten, als wir die Webseite konsultieren und uns vorbereiten wollten. Unser Gefährt war also definitiv zu gross. Wir konnten nur die ersten etwa 15 Meilen in den Park fahren, mussten dann aber umkehren. Im Park verkehrt zwar ein Gratis-Shuttle-Bus, aber seit dem Denali NP sind wir gebrannte Kinder was das anbelangt. Und das Wetter war auch nicht dazu angetan uns euphorisch zu stimmen - in den Tälern hing dicker, zäher Nebel. Wir vermuten langsam, dass dieser Nationalpark etwas gegen uns hat :-(

Doch so schnell gaben wir nicht auf. Wir fuhren im Süden aussen um den Nationalpark herum um im Osten bei Two Medicine Lake - quasi durch den Hintereingang - wieder hineinzufahren. Hier schien auch die Sonne endlich und das war nötig bei den recht frischen Temperaturen. Und hier begannen wir zu ahnen, warum alle Leute vom Glacier NP schwärmen.
Schon beim ersten Stopp sahen wir übrigens einige der scheuen Bergziegen. Sie verlieren gerade ihr Winterfell und sehen ziemlich zottelig aus. Schwarzbären, Grizzlies und Berglöwen soll es hier auch geben und man wird allenthalben zur Vorsicht gemahnt.
In Two Medicine Lake verbrachten wir einen wunderschönen Tag denn hier stimmte alles: Schroffe Gipfel mit letzten Schneeflecken drauf, ein tiefblauer See (wegen der fotogenen Spiegelung insbesondere zu Sonnenaufgang) und ein schöner Campground mit tollen Spazierwegen.
Leider machten wir den Fehler und verliessen nach einem Tag dieses herrliche Plätzchen um weiter im Norden nach den vielzitierten Gletschern Ausschau zu halten.
Wir fuhren also wieder aus dem Park raus und nach einem grossen Umweg wieder auf der Going-to-the-Sun Road rein. Und wieder raus (alles voll) und auf der Many Glacier Road wieder rein. Aber keine Chance auf ein Plätzchen für uns, knapp dass wir kurz vor dem Ausgang einen Parkplatz fanden um was Kleines zu essen. Auf dem Campground sagten sie uns übrigens, dass wir morgens um 7 Uhr anstehen müssen um eventuell noch einen Platz zu bekommen. Also verliessen wir um die Mittagszeit den Nationalpark definitiv und sahen gerade noch, wie sie niemanden mehr hinein liessen, der nicht eine Reservierung auf dem Campground oder im Hotel hatte.
Das Kapitel Glacier Nationalpark ist also abgehakt und ob die Gletscher überhaupt noch Eis haben, können wir auch nicht sagen.

Wir sind jetzt in Lethbridge in Alberta, Kanada und legen einen "Arbeitstag" ein (Wäsche waschen, vorkochen, Karten aktualisieren und Newsletter schreiben).

So long!
Tara und Zoltan

 

Über den Wolken...

 

 

Es Pröschterle auf die nächsten knapp 5 Monate

 

 

Drive Thru ist beliebt und selbstverständlich

 

 

"Original-Fondue", garantiert aus der Schweiz?

 

 

Weinberge am Columbia River

 

 

Yaak River Campground (wie immer mit bärensicherem Vorratsschrank)

 

 

Ein Wetterwechsel kündet sich an

 

 

Auswechseln der Servolenkungspumpe

 

 

Auf der Going-to-the-Sun Road

 

 

Unterwegs im Glacier National Park

 

 

Bärengras

 

 

Bergziege (wirft gerade das Winterfell ab)

 

 

Der Fotograf am ...

 

 

... Two Medicine Lake

 

 

Und nochmal (weil's so schön ist): Two Medicine Lake

 

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