Val Müstair statt Monument Valley, Herbst 2020 Home/Reiseberichte Über uns/Kontakt

 

Newsletter vom 6. September 2020: Durchs Wallis und über den Furkapass nach Flims

Liebe Familie und Freunde

Fast wären wir vor ein paar Tagen in Halifax gelandet und hätten unseren Camper aus dem langen Dornröschenschlaf erlöst.
Und fast würden wir uns nun auf einer mehrmonatigen Reise befinden, die uns entlang der Ostküste der USA, durch die geschichtsträchtigen Südstaaten am Golf von Mexiko und dann durch Texas und die Nationalparks von Arizona, Utah und Nevada wieder zurück nach Kalifornien führen sollte.
Und dort hätten wir unseren Camper verkauft an Menschen, die auch von den Naturwundern Amerikas träumen.
Fast. Doch dann hat uns Covid-19 einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und so kann unser Camper in seinem Lager bei Halifax weiter vor sich hindösen, Staub ansetzten und hoffentlich nicht allzu viele Standschäden entwickeln.
Damit es uns in der Zwischenzeit nicht allzu langweilig wird, haben wir uns hier in der Schweiz auch einen Camper zugelegt. Das hatten wir sowieso im Sinn, aber eigentlich erst, nachdem der Amerika-Traum fertig geträumt ist. Nun also etwas früher.
Unser neues Gefährt ist ein Bimobil LBX 365 auf Mercedes-Sprinter-Basis und heisst Matilda (ein, zwei Bilder von ihr seht ihr im Anhang). Matilda ist übrigens die Bezeichnung für den Tucker bag, den im 19. Jahrhundert in Australien üblichen Umhängebeutel mit allen lebenswichtigen Utensilien der Tramps im australischen Outback.

Nachdem wir die letzten paar Wochen damit verbrachten Matilda startklar zu machen, unternehmen wir jetzt eine erste, kleinere Reise. Corona-bedingt in der schönen Schweiz. Also Graubünden statt Monument Valley!

Da sich die sintflutartigen Niederschläge, die die Schweiz vor einer Woche heimsuchten, an unserem Abreisetag immer noch in Form von Wolken und Nebel um die Alpen legten, mussten wir auf der Suche nach Sonne zuerst etwas nach Westen ausholen. Vorbei am Schloss von Murten, an der Kathedrale von Freiburg, durchs Greyerzerland und über den Col de Mosse führte uns die erste Etappe ins Rhonetal (wo tatsächlich fast die ganze Woche die Sonne schien).
Unterwegs übernachteten wir im Schatten des Schlosses von Greyerz. Der Campingplatz ist fest in der Hand der Dauercamper, von denen sich einer gar einen Bubentraum  verwirklichte und eine Modelleisenbahn aufgestellt hat, die in grossen Runden um ein paar Camper und durch den Garten des Bistro führt. Mit Ampeln und Brücken und Bahnhöfen, mit ein paar Lokomotiven und Zugskompositionen, unter anderem einer Kopie des Glacier Express. Da bimmelt und tutet es, die Lokomotiven machen tschtschtsch, aus den Lautsprechern am Bahnhof wird der nächste Zug angesagt und die Platzbewohner fachsimpeln bei einem Glas Bier. Camping in der Schweiz :-)
Einen der schönsten Stellplätze fanden wir (App sei Dank) weit oberhalb von Sion. Ein Parkplatz inmitten einer atemberaubenden Kulisse von sanften, grünen Hügeln welche allmählich in die schneebedeckten Berge der Walliser Alpen übergehen (sogar das Matterhorn sieht man von dort aus in der Ferne). Dort oben konnte man das hässliche Rhonetal wirklich vergessen.
Damit sich das Wallis in unsere Herzen meisselt, müssen wir wohl noch ein paar Mal herkommen und noch mehr solche Orte wie diesen hier entdecken. Aber ein guter Anfang ist gemacht :-)

Nach Brig hatte es endlich ein Ende mit den vielen Industriebauten, die das Rhonetal verschandeln. Dafür passierten wir hübsche Dörfer mit uralten Holzhäusern, unter anderem das Dorf, welches gleich heisst wie unsere Heimatstadt: Biel. Natürlich machten wir einen Halt und spazierten etwas durch den alten Dorfkern. Was gar nicht so einfach ist, denn die Durchfahrtsstrasse hat jeden Zentimeter Platz bis an die Hausmauern beansprucht. Und so muss man ab und zu über den Friedhof oder durch Hinterhöfe ausweichen.
Einen noch schöneren Übernachtungsplatz fanden wir auf der Furka-Passhöhe.  Die Aussicht auf die Furka- und die Grimsel-Passstrassen, auf den Grimselsee und auf die Gipfel rund um das mächtige Finsteraarhorn ist schlicht spektakulär und die Gegend von einer rauen Schönheit, an der man sich fast nicht sattsehen kann.
Die Sonne schien die letzten Tage von einem wolkenlosen Himmel und darum fielen die Motorradfahrer wie Heuschrecken über die Passstrassen her. Ausserdem ist gefühlt jedes dritte Auto ein Camper. Aber bis jetzt fanden wir noch immer genügend Platz.

Über Andermatt (wo immer noch etliche Kräne von einem ungebrochenen Bauboom zeugen) und den Oberalppass fuhren wir in die Surselva, ins Tal des Vorderrheins. Leider war das Wetter viel zu schön, um das Kloster Disentis zu besichtigen, stattdessen war unser Ziel Flims, respektive das oberhalb von Flims gelegene und mit einer Seilbahn erreichbare Foppa. Hier wollten wir Mittagessen und dann ins Tal zurückwandern. Bei der Station Foppa hat es einen Berggasthof und etwas unterhalb der Station liegt ein idyllisches, kleines Restaurant - das Casa Berendi. Die wenigen Tische rund um ein kleines Bauernhaus und einen separaten Speicher sahen so einladend aus, dass wir uns dafür entschieden und feststellen mussten, dass wir in einem Gourmetrestaurant gelandet waren. Aber man gönnt sich ja sonst nichts und das Essen war jeden Franken wert. Vor allem die Lage inmitten von grünen Wiesen und am Fusse der Sardona-Verwerfung, einem Unesco-Welterbe, war wunderschön.

Im Moment sind wir in Chur auf einem Campingplatz in der Nähe der Stadt. Mit dem Bus ist man in 10 Minuten im Zentrum und deshalb nehmen wir auch den Lärm der nahen Autobahn in Kauf. Denn wir wollten den samstäglichen Churer Wochenmarkt, laut Eigenwerbung den einzigen reinen Produzentenmarkt der Schweiz, besuchen. Die Stände waren fast in der gesamten (übrigens wunderschönen) Altstadt verstreut, wir hatten die Qual der Wahl zwischen YAK-Salsitz, Moschtbröckli vom Graurind und Hirsch-Chnebeli, zwischen verschiedenem Alpkäse von Kuh, Ziege oder Schaf und natürlich einem grossen Angebot an Gemüse und Früchten. Und etwa die Hälfte der Marktstände sind erst noch BIO.
Nächste Woche geht es in die Bündner Herrschaft, wo sicher weitere kulinarische und in Flaschen gefüllte Highlights auf uns warten.

Tschau zäme,
Tara und Zoltan

 

Gefunden: Matilda

 

 

Das Maskottchen aus Australien darf nicht fehlen!

 

 

Stellplatz oberhalb von Sion

 

 

Mittagessen mit Aussicht

 

 

Wanderweg zum Torrent Neuf

 

 

Campingleben

 

 

La Maya, auffälliger Berggipfel bei Saint-Martin

 

 

Morgenstimmung in den Walliser Alpen

 

 

Biel im Wallis

 

 

In Biel, VS

 

 

Alpenpässe im Furkagebiet

 

 

Grimselpassstrasse

 

 

 

Immer diese Influenzer...

 

 

 

Monduntergang über dem Finsteraarhorn

 

 

 

Das Casa Berendi in Foppa (oberhalb Flims)

 

 

 

Einen Umweg wert: die Crèmeschnitte im Casa Berendi

 

Nächster Bericht